10. Bericht
Die Suedstaatenschoenheit
Charleston kann sich mit wunderschoenen grossen Antebellum-Villen bruesten,
alle gut erhalten bzw. restauriert. Man sieht, dass Charleston einst eine
reiche Stadt war und auch heute noch eine betraechtliche Anzahl wohlhabender
Einwohner besitzt. Witzig ist, dass die imposanten Haeuser alle eine schmale
Strassenfront haben und in die Tiefe des Grundstuecks hinein gebaut sind, weil
frueher die Steuern nach Strassenfrontlaenge berechnet wurden.
Charleston wimmelt –anders als Savannah – von Touristen, die sich gerne in Pferdekutschen durch die Stadt chauffieren lassen. Wir marschierten trotz der Hitze zu Fuss los und entdeckten am alten Hafen die Kanonen, die 1861 Fort Sumter beschossen hatten und damit den amerikanischen Buergerkrieg ausloesten.
Bei unserem Stadtbummel staerkten wir uns mit einem Mittagessen im beruehmten „ Hyman`s Seafood“. Es ist so beliebt bei Einheimischen, Touristen und Stars aus Film und Sport, dass die Schlange der Leute, die auf einen freien Tisch warten, bis auf die Strasse reicht. Wir hatten nach ca. 15 Minuten einen Tisch, an dem sogar mal Jodie Foster gegessen hatte.
Charleston wimmelt –anders als Savannah – von Touristen, die sich gerne in Pferdekutschen durch die Stadt chauffieren lassen. Wir marschierten trotz der Hitze zu Fuss los und entdeckten am alten Hafen die Kanonen, die 1861 Fort Sumter beschossen hatten und damit den amerikanischen Buergerkrieg ausloesten.
Bei unserem Stadtbummel staerkten wir uns mit einem Mittagessen im beruehmten „ Hyman`s Seafood“. Es ist so beliebt bei Einheimischen, Touristen und Stars aus Film und Sport, dass die Schlange der Leute, die auf einen freien Tisch warten, bis auf die Strasse reicht. Wir hatten nach ca. 15 Minuten einen Tisch, an dem sogar mal Jodie Foster gegessen hatte.
Unser Fazit: Einrichtung urig, Personal sehr aufmerksam, Essen sehr gut. Lediglich die Hush Puppies haben mir nicht geschmeckt – nein, nein, keine kleinen Hunde, sondern suesse, fritierte Teigbaellchen aus Maismehl, die mir zum scharf gewuerzten Catfish ein wenig zu exotisch waren, waehrend Werner sie zu seinen Ribs mit Genuss verspeist hat. Uebrigens: Habt Ihr schon mal „ boiled peanuts“ gegessen? Das sind in der Schale gekochte Erdnuesse, die ueberall, auch an Strassenstaenden, angeboten werden. Wie kann man die leckeren Erdnuesse nur so verderben!
Etwas ausserhalb von Charleston
liegt Boone Hall Plantation, Drehort etlicher Suedstaatenfilme. Die alte
Eichenallee mit ihrem tief herabhaengenden Behang aus Spanisch Moos z. B. war
Hintergrund einiger Szenen im Buergerkriegsdrama „Fackeln im Sturm“. Waehrend die Hausfuehrung hier weniger lohnend
war, bekamen wir interressante Einblicke in das Leben der Sklaven. Nahe beim
Haupthaus sind die einfachen Steinhaeuschen der privilegierten Haussklaven
erhalten, waehrend von den Holzhuetten der Feldsklaven nichts mehr uebrig ist.
In jedem der Einraumhaeuser wird durch Ausstellung und Videos ein Aspekt des
Sklavenlebens erlaeutert, z. B. Wohnen und Essen, handwerkliche Arbeiten,
Religion, Freiheitsbestrebungen .... Ganz nebenbei erfuhren wir, dass der
Urgrossvater der derzeitigen First Lady, Michelle Obama, noch Sklave war.
Dann standen ein paar Tage Strandurlaub an der Nordkueste South Carolinas an bei Myrtle Beach, einem typischen Sommerferiengebiet mit dem ueblichen Touristenrummel, und auf den Outer Banks, einer Gruppe von schmalen, langen Inseln, die sich in einem Bogen vor der Kueste North Carolinas hinziehen und uns ein wenig an die deutschen Nordseeinseln erinnerten.
Auf Roanoke Island machten wir eine ueberraschende Entdeckung. Wir hatten, wie wohl die meisten Leute, angenommen, dass die „Pilgrim Fathers“ 1620 die ersten englischen Siedler in Amerika gewesen waeren. Hier erfuhren wir, dass bereits 1586 ca. 100 Englaender auf Roanoke Island gelandet waren, um hier zu siedeln. Als ihr Anfuehrer nach England zuruecksegelte, um Nachschub an dringend benoetigten Waren zu beschaffen und erst drei Jahre spaeter zurueckkam, fand er die Siedlung verlassen vor und von den Menschen keine Spur mehr. Man hat nie wieder etwas von ihnen gehoert und der Mythos von der „Lost Colony“ war geboren. Heute sieht man nur noch Reste der Befestigungsanlage der Siedlung und kann den naturgetreuen Nachbau eines der Schiffe, der Elisabeth II, besichtigen. Unglaublich, dass in einer solchen Nussschale 55 Menschen in 110 Tagen den Ozean ueberquert haben.
Wieder zurueck auf dem Festland von North Carolina lernten wir in Winston Salem eine andere Gruppe von Pionieren kennen, die Moravier. Wie viele fruehe Einwanderer hatten sie ihre Heimat im boehmisch/tschechischen und sueddeutschen Raum im 18. Jhdt. verlassen und lebten zunaechst in Pennsylvania. Von dort zogen einige in die „Wildnis“ North Carolinas, um neues Siedlungsgebiet zu erschliessen und die Indianer zu missionieren. Im Stadtteil Old Salem sind viele Haeuser der deutschsprechenden Moravier restauriert und werden als living history praesentiert. In der Schneiderwerkstatt wurde genaeht, ein Eimermacher war bei der Arbeit, in der Kueche des Hotels, in dem einmal George Washington uebernachtet hatte, brannte ein Feuer im Kamin. In der Baeckerei wurde nach alten Rezepten gebacken und wir konnten dem frischgebackenen Zwiebelbrot und Zuckerkuchen nicht widerstehen – teuer, aber sehr gut!
Die Appalachen, ein bewaldetes Mittelgebirge, das sich vom Norden Alabamas bis nach Kanada hinauf erstreckt, waren unser naechstes Ziel. Wir wollten nach Virginia und ein Stueck dem Blue Ridge Parkway auf dem Ruecken der Appalachen folgen und weiter in den Shenandoah National Park. Die Strecke bietet nichts Spektakulaeres, fuehrt aber durch eine Landschaft, die zum Seele baumeln lassen einlaed. Hoher Mischwald spendet willkommenen Schatten, die meterhohen Rhododendren, die die Strasse saeumen, muessen zur Bluetezeit im Mai/Juni ein zauberhafter Anblick sein und die Ausblicke von den vielen Aussichtspunkten nach Westen und Osten ins Tal erfreuen den Reisenden. Im Herbst soll die Laubfaerbung spektakulaer sein und Tausende von Touristen anziehen. Nun ja, wir koennen nicht ueberall zur schoensten Jahreszeit sein, dafuer konnten wir jetzt die relative Ruhe geniessen, fanden ohne Muehe Plaetze zum Uebernachten und konnten endlich mal wieder schoene Wanderungen machen und Rehe, Eichhoernchen und viele bunte Schmetterlinge beobachten.
Ein Abstecher zu den Luray Caverns entfuehrte uns in eine ganz andere Welt. Ein ausgedehntes System von Tropfsteinhoehlen zeigt bizarre Stalagmiten und Stalaktiten in den ausgefallensten Formen und mit phantasievollen Bezeichnungen wie „Fischmarkt“, „Eiskremtuete“, „der Geist“ oder „Spiegeleier“. In unterirdischen Seen spiegeln sich die herabhaengenden Stalaktiten, einige Gebilde sehen aus wie die Falten eines Vorhanges und der Hoehepunkt ist die Stalaktitenorgel. Mit Hilfe kleiner Haemmerchen, die durch elektrische Impulse bewegt werden, koennen den Stalakiten Toene entlockt werden wie bei Orgelpfeifen und so regelrechte Melodien gespielt werden – unterirdische Musik sozusagen. Die Demonstration war sehr beeindruckend.
Bei Front Royal verliessen wir den National Park und nahmen Kurs auf Washington D.C. Zuvor besuchten wir noch das Manassas Battlefield, nur 30 Meilen westlich von Washington gelegen und Schauplatz der 1. Schlacht zwischen Nord- und Suedstaaten 1861. Wie wenig ernst man zu diesem Zeitpunkt den Krieg noch nahm, zeigt sich darin, dass eine 85jaehrige bettlaegerige Dame, deren Haus mitten auf den Schlachtfeld stand, sich weigerte, dieses zu verlassen mit dem Erfolg, dass ein Kanonenschuss der Unionstruppen ihr Haus traf und sie toedlich verwundete. Zudem kamen etliche Washingtoner Zivilisten mit Kutschen herausgefahren, um beim Sonntagnachmittagspicknick die Schlacht zu beobachten. Als die Rebellen voellig unerwartet die Oberhand gewannen, flohen Unionstruppen und „Katasthrophentouristen“ Hals ueber Kopf zurueck nach Washington. Die Amerikaner haben ein Haendchen dafuer, die Ereignisse recht anschaulich darzustellen. Ein 45 minuetiger Film und ein Landschaftsmodell mit Blinkpunkten in verschiedenen Farben erlaeutern den Schlachtverlauf minutioes, so dass man beim Rundgang ueber das Gelaende eine gute Vorstellung davon hat, was wo und mit welchem Ergebnis passierte.
Mit Virginia verliessen wir nun auch die Suedstaaten und fuhren nach Washington D.C. Diese Stadt mussten wir natuerlich besuchen. Auffallend ist, dass in Washington die sonst ueblichen Hochhaeuser im Zentrum fehlen, stattdessen breiten sich grosszuegige, von breiten Alleen gesaeumte Gruenflaechen vom Potomac River bis zum Capitol aus – die National Mall. Eine Vielzahl von Monumenten und hochklassigen Museen befinden sich hier und quer zur Mall gibt eine weitere Rasenflaeche den Blick aufs Weisse Haus frei.
Den witzigen Rat eines Polizisten, einfach ueber den Zaun zu klettern, an die Hintertuer zu klopfen und zu behaupten, Michelle habe uns zum Lunch eingeladen, ignorierten wir, wohl wissend, dass wir riskierten inhaftiert zu werden, wenn nicht gar Schlimmeres. (Vorwegnehmend will ich hier schon einschieben, dass wir am folgenden Tag zu einem spaeten Mittagessen im Capitol waren. Glaubt Ihr nicht? Im Untergeschoss gibt es ein Selbstbedienungsrestaurant fuer Touristen, die an einer Fuehrung teilnehmen.) Die Strassen rund ums Weisse Haus waren weitraeumig abgesperrt, durch Zoom mit der Kamera konnte ich Aktivitaeten im Garten und auf der Terrasse erkennen, die aussahen wie Auf- oder Abbau von Podesten und Scheinwerfern. Vielleicht gab es einen Staatsbesuch, eine Pressekonferenz oder dergleichen. Ueberall passten Polizisten auf, dass alle hinter den Absperrungen blieben. Als Werner eine Abkuerzung ueber den Rasen nehmen wollte, wurde er hoeflich aber sehr bestimmt zurechtgewiesen.
Das dem ersten Praesidenten der USA
gewidmete Washinhton Monument, ein 169m hoher Obelisk aus weissem Marmor, steht
im Zentrum der Mall auf einer Achse mit dem Capitol im Osten und dem Lincoln
Memorial im Westen. Letzteres gleicht einem riesigen Tempel mit 36 weissen
dorischen Saeulen, in dessen Innenraum eine 6m hohe Statue von Abraham Lincoln,
wie Gottvater auf seinem Thron sitzend, auf sein Volk herabschaut. Zwei seiner
bedeutsamsten Reden sind in Stein gemeisselt an den Waenden zu lesen.
Waehrend hier mit schierer Groesse und pathetischen Worten geprotzt wird, beeindruckt das Monument fuer die Vietnamveteranen gerade durch seine Schlichtheit. Auf einer 75m langen, sanft geschwungenen Mauer aus schwarzen Granitplatten sind die 58000 Namen von im Krieg gefallenen oder vermissten US Buergern eingraviert.
Gedenkstaetten fuer weitere amerikanische Praesidenten sowie fuer die Koreakriegveteranen und den 2. Weltkrieg liegen ebenfalls in diesem grossen Park.
Der imposante Bau des US Capitol mit seiner maechtigen dem Petersdom nachempfundenen Kuppel ist von ueberall in der Stadt zu sehen.
Waehrend hier mit schierer Groesse und pathetischen Worten geprotzt wird, beeindruckt das Monument fuer die Vietnamveteranen gerade durch seine Schlichtheit. Auf einer 75m langen, sanft geschwungenen Mauer aus schwarzen Granitplatten sind die 58000 Namen von im Krieg gefallenen oder vermissten US Buergern eingraviert.
Gedenkstaetten fuer weitere amerikanische Praesidenten sowie fuer die Koreakriegveteranen und den 2. Weltkrieg liegen ebenfalls in diesem grossen Park.
Der imposante Bau des US Capitol mit seiner maechtigen dem Petersdom nachempfundenen Kuppel ist von ueberall in der Stadt zu sehen.
Gefuehrte Touren durch das Gebaeude werden angeboten, jedoch erst nach strengen Sicherheitsvorkehrungen. Nicht nur unsere halbvolle Wasserflasche mussten wir entsorgen, auch ein kleines Taschenmesser im Rucksack fand keine Gnade vor den Augen der Sicherheitsbeamten. Als Werner es irgengwo draussen im Gebuesch verstecken wollte, um es spaeter wieder abzuholen, folgte ihm eine Beamtin und gab ihm zu verstehen, das Verstecken von Waffen in der Naehe des Capitols sei illegal! Erst als er das Messer in den Muellcontainer geworfen hatte, durfte er das Gebaeude betreten. Der unbaendige Nationalstolz der Amerikaner, dessen steingewordener Ausdruck das Capitol ist, sprach aus jedem Wort des Einfuehrungsfilms, aus den ausliegenden Broschueren, den Erklaerungen der Fuehrerin und nicht zuletzt aus den Skulpturen und Statuen, Gemaelden und Wandbildern, die in der Rotunde und weiteren Hallen die 400jaehrige Geschichte der Amerikaner illustrieren.
Ueber die Geschichte der Native Americans, der Indianer, ihre traditionelle und ihre heutige Lebensweise, ihre Weltvorstellungen, Sitten und Gebraeuche informierte uns das National Museum of the American Indian. Die ehemals verfolgten und gedemuetigten Staemme gewinnen zunehmend neues Selbstbewusstsein und beanspruchen heute nachdruecklich ihren Platz in der amerikanischen Gesellschaft.
Der Besuch in Gettysburg in Pennsylvania, der Ort der 3 Tage dauernden und den Buergerkrieg entscheidenden Schlacht, fiel recht kurz aus, denn wir waren inzwischen ein wenig „kriegsmuede“. Ueber York und Lancaster fuhren wir ins sogenannte „Dutch Country“. Der Name Dutch hat nichts mit Holland zu tun, ist vielmehr eine Verballhornung von „Deutsch“, denn Pennsylvania war wegen seines fruchtbaren Bodens ein bevorzugtes Gebiet deutschsprechender Einwanderer im 18. Jhdt. Sie sollen bis zu 40% der Bevoelkerung ausgemacht haben. Vor allem Amish und Mennoniten siedeln immer noch hier auf ihren verstreuten, sehr gepflegten und ordentlichen Gehoeften mit bluehenden Gaerten und umgeben von grossen Mais- und Tabakfeldern. Die Waesche haengt auf der Leine und wie eh und je tragen die Amish ihre traditionelle Kleidung und benutzen Pferdekutschen statt Autos, Kinder und Jugendliche sind auf Rollern unterwegs.
Die Amish moechten nicht fotografiert werden, verstaendlich, denn inzwischen hat der Tourismus diese Gegend entdeckt und an den Hauptverkehrsstrassen machen sich dubiose Touristenattraktionen breit. Wir sind die kleinen Nebenstrassen gefahren, an denen man noch das urspruengliche Leben der Amish beobachten kann. Doch auch hier sind einige Farmen dazu uebergegangen, ihre Produkte wie Obst, Gemuese, Gebaeck und Marmelade sowie handwerkliche Erzeugnisse an Touristen zu verkaufen. Die schoenen handgefertigten Ouilts hatten es mir besonders angetan – leider unerschwinglich.
Im Landis Valley Freilichtmuseum
bei Lancaster konnten wir einen Blick in die baeuerliche bzw. kleinstaedtische
Vergangenheit der damaligen Siedler werfen. Bauernhaus mit Stall und Garten und
Wohnhaeuser der „ besseren Leute“ waren ebenso zu besichtigen wie der besonders
pittoreske Dorfladen, der „Walmart“ der damaligen Zeit. Denn dort gab es alles
zu kaufen vom Hosenknopf bis zum Damenkorsett und vom Kautabak bis zur
handbetriebenen Waschmaschine.
Ein Besuch der Stadt New York erschien uns mit dem Wohnmobil als ungeeignet und so schlugen wir einen Bogen durch Pennsylvania und den Staat New York um die groesste Stadt der USA herum und hinein nach Connecticut.
Ein Besuch der Stadt New York erschien uns mit dem Wohnmobil als ungeeignet und so schlugen wir einen Bogen durch Pennsylvania und den Staat New York um die groesste Stadt der USA herum und hinein nach Connecticut.